Palatina sul aqua

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Frage
Von wem stammt das berühmte palatinische Sonett "Dantino, die Tomate"?:
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Die letzten Beiträge des Themas - Datt Meerhuus
Autor Nachricht
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Und? Was ist drauf zu sehen?

erkundigte sich Lucius, der natürlich die Seite ohne Wappen vor sich sah.

Ein blaues Wappen mit einem weißen Doppelbogen. Vor dessen Mittelpfosten ein Schwert, um Mittelpfosten und Schwert schwingt sich ein goldenes S.

Lucius runzelte die Stirn. Das ergab überhaupt keinen Sinn. Interessiert drehte er das Wappentuch um und begutachtete es selbst.

Wenn du wissen möchtest, was das bedeuten soll, bist du bei mir an der falschen Adresse. Ich kann mir keinerlei Reim auf diese Elemente machen.

Sagtest du nicht, du hättest noch ein Buch gefunden?

Ja, stimmt. Ich hoffe, dass es dort drinsteht.

Hm. Wann möchtest du eigentlich wieder nach Hause fahren? wechselte sie unverhofft das Thema.

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Was ist mit dir?

Ich bezweifle, dass meine Meinung dir groß weiterhelfen würde...

-> Einige Zeit später
Beitrag Verfasst: Mo 3. Okt 2011, 20:41
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Mit absichtlich langsamen Bewegungen öffnete Lucius seinen Rucksack und suchte dort nach dem Stoffbündel, dass er auf Formosa in der Bergkammer gefunden hatte.

Das erste, was er getan hatte, sobald er ins Meerhuus getreten war, war, Giselle aufzusuchen und sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Über die letzten Wochen hatte er beobachten können, wie sich ihr Bauch immer weiter wölbte, und lange konnte es nicht mehr dauern, bis das Kind zur Welt kam.
Giselle hatte kurz angemerkt, es sei alles in Ordnung, war aber umso gespannter auf das gewesen, was Lucius erzählen würde.
Und er erzählte in aller Ausführlichkeit. Sie hatten sich ins Wohnzimmer auf zwei gegenüberstehende Sofas gesetzt, und er berichtete Ihr von der Reise nach Formosa, den Zelten am Strand, Carlos abscheulicher Pflanzenmatschsuppe, dem Baum auf der Lichtung und seiner Reise zu den Klippen. Er erzählte, wie er sich in dem Stollen gefühlt hatte, was er in der Kammer entdeckt hatte, und wie er sinnierend auf einer der Klippen gesessen und auf das Meer hinausgeschaut hatte.


Und was war das für ein Stoffbündel? hatte sich Giselle erkundigt.

Ich weiß es nicht.

Dann ist jetzt die Zeit, es herauszufinden, oder nicht?

Mit einem Nicken zog Lucius den Rucksack näher heran. Und um es spannender zu machen - für Giselle, aber auch für sich selbst - zog er den Moment absichtlich in die Länge.
Schließlich lag das zusammengerollte Stück Stoff auf dem Tisch vor ihnen. Hier im Tageslicht zeigte sich, dass es dunkelblau war, und an den Seiten eingerissen und teilweise zerfetzt war. Es musste Jahrhunderte alt sein.


Soll ich?

Mit fragendem Blick sah Lucius seine Frau an.
Die nickte ihm aufmunternd zu. Der Uhrmacher fasste das Tuch an zwei Ecken, stand auf und hielt den Stoff in die Höhe, ließ in sich ausbreiten.

Es offenbarte das Wappen der Horologius.




Bild
Beitrag Verfasst: Mo 3. Okt 2011, 20:06
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Nach zahlreichen Kurskorrekturen kam das Boot mit Lucius und Carlo darin schließlich in dem künstlichen Kanal an, welcher den Teich des Meerhuus speiste. Die Ruder - wenn man die grob zurechtgesäbelten Bretter denn so hatte nennen können, hatten sie ins Meer fallen lassen, denn den Kanal glitt das Boot nun wie von selbst hinauf.
Lucius sprang als erster an Land, nahm dabei allerdings zu viel Schwung und brachte das Boot dadurch stark ins Schaukeln.


Ruhig! Ich wollte in Eurem kleinen Tümpel hier nicht baden gehen!

Bitte vielmals um Verzeihung.

erwiderte der Uhrmacher. Er drehte sich um, damit Carlo ihn nicht sah, und gestattete sich ein breites Grinsen, bevor er seine Habseligkeiten aus dem Boot nahm.
Carlo stieg ebenfalls aus, auch nicht viel sanfter, und ergriff sein Gepäck.


Ach, das war eine herrliche Reise. Jetzt muss ich nur noch meine Berichte ins Reine schreiben.

Dann lasst Euch nicht aufhalten. Es war wirklich ein schöner Ausflug, und ich danke Euch, dass Ihr mich so bereitwillig mitgenommen habt.

Der Uhrmacher streckte ihm die Rechte hin, und Carlo schlug erfreut ein.

Die Freude ist ganz meinerseits. Ich wünsche Euch einen schönen Tag - und viel Spaß beim Palio!

Mit einem Winken drehte er sich um und ging.

Danke. Und meldet Euch, wenn Euer Lexikon fertig ist!

Sicher!

Mit diesen Worten war Carlo verschwunden. Lucius ging über den Hof auf die Tür zu.

Was mache ich jetzt eigentlich mit dem Boot?
Beitrag Verfasst: Mo 3. Okt 2011, 10:59
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Mittlerweile war es auch schon wieder Abend, das Licht der Sonne leuchtete nur noch schwach, und Carlo schien das Treffen wohl verschlafen zu haben.
Lucius nahm seinen Rucksack in die eine und die Leiter in die andere Hand und stand auf, als das leise, rhythmische Plätschern der Wellen unterbrochen, hektischer wurde.


Ah, Signore Horologius! Ich wünsche Euch einen schönen Abend. rief der immer freundliche Pflanzenkundler von der Küste her. Scheinbar bemerkte er es gar nicht, dass er immer zu den falschesten Zeitpunkten kam. Ein unbedarfter Mensch.

Ich dachte schon, Ihr kämet nicht mehr. Mittag war ausgemacht.

Ich bin gerne in der Abenddämmerung unterwegs. Es ist dann kaum noch etwas los, und man kann die Eindrücke der Natur voll und ganz auf sich wirken lassen.

Wie Ihr meint...

Lucius lud seine Sachen in das Boot, das am Meeresufer wartete, und stieg dann ein. Während er wartete, bis sich das Boot von den Schwankungen wieder beruhigt hatte, erkundigte er sich

Habt Ihr alles?

Zwei Zelte und Verpflegung für zwei Wochen. Dazu jede Menge Pergament und Tinte.

Hervorragend. Nur wofür das Schreibzeug?

Ich möchte ein Naturlexikon schreiben über die Flora und Faune von Formosa.

Ah ja. Sollen wir dann?

Gerne.

Mit diesen Worten zückte Carlo einen Holzstab und drückte das Boot vom Ufer fort auf das Meer hinaus.

-> Erste Reiseschwierigkeiten
Beitrag Verfasst: Di 30. Aug 2011, 12:53
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Den Vormittag brachte Lucius damit zu, einen großen Rucksack zu packen. Da er nichts über den Verbleib des letzten Buches wusste, nahm er alles mit, was irgendwie wichtig sein könnte. Dazu gehörte eine Schaufel, Spitzhacke, Seile, ein Eimer, Grubenlampe, Förderturm... Wir hatten das schonmal. Auch eine Leiter nahm er mit und ordentlich Proviant für zwei Wochen. Zwar sollte dieser Naturforscher das übernehmen, aber der dachte wahrscheinlich nur an sich selbst und vergaß die Sachen für Lucius.
Giselle wollte nicht mitkommen. Einerseits fühlte sie sich nicht wohl an der Seite Darvinus', andererseits hatte sie gesagt, sie wolle die Zeit nutzen, um die Lagerbestände aufzulisten und Klarschiff zu machen im Gutshaus.


Da hast du dir aber eine Mammutaufgabe vorgenommen. hatte Lucius gesagt.

Sie kann auch nicht schwieriger sein als auf unbestimmte Zeit mit einem Kerl wie diesem Verrückten zusammenleben zu müssen. war ihre Erwiderung gewesen. Lucius hatte keine Antwort darauf gewusst.

Mittlerweile stand die Sonne in ihrem Zenit, es war ordentlich warm, und Lucius wartete unter dem Dach der Sitzecke auf Carlo Darvinus. Von dem fehlte jede Spur. Sie hatten sich so abgesprochen, dass er in Porto Vecchio ein Boot besorgen sollte, mit welchem er dann an der Küste entlang und den Kanal zum Teich des Meerhuus fahren sollte.
In der Theorie ganz einfach.
In der Praxis scheinbar nur schwer umzusetzen...
Beitrag Verfasst: Di 30. Aug 2011, 12:37
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
*Pock* *Pock* *Pock*

Lucius, der tatsächlich noch einmal eingeschlafen war, wurde jäh aus dem Schlaf gerissen, als diese Geräusche mehrmals hintereinander erklangen.

Ich bringe diese Pfeife um!

Er sah auf die Uhr: Halb Sechs. Grummelnd stand er auf, zog sich etwas über und öffnete das Fenster. Gerade noch konnte er den Kopf zurückziehen und mit einer Hand den Stein auffangen, der angeflogen kam.
Unten stand Carlo, warf Steine nach oben um auf sich aufmerksam zu machen.


Seid Ihr von allen guten Geistern verlassen?

Ich habe eine Frage, Signore!

Ich sagte Euch doch, Ihr sollt...

Ich habe nicht geklopft.

Was wollt Ihr?

Diese Pflanze hier - bei diesen Worten hielt er ein Büschel Kräuter in die Höhe - woher habt Ihr das?

Keine Ahnung. Den Garten habe ich nicht angelegt. Wartet einen Moment.

Der Uhrmacher verließ das Schlafzimmer, ging die Treppe nach unten und trat aus der Tür. Dort wurde ihm von Darvinus sofort das Kraut unter die Nase gehalten.

Pff... schob er es von sich. Wie gesagt, ich weiß es nicht. Der ganze Hof hier stammt von meinem Urahn.

Zu schade. Aber eigentlich... Ich habe beinahe die ganze Republik untersucht, und mir ist dieses Gewächs noch nie begegnet. Es gibt nur einen Ort den ich noch nicht kenne, Formosa. Ob es wohl möglich ist, dass die Pflanze von dort stammt?

Lucius zuckte nur mit den Schultern.

Vielleicht sollte ich mir diese Insel endlich einmal genauer ansehen.

Jetzt wurde der Uhrmacher hellhörig. Ihr wollt dorthin?

Möglicherweise.

Fein. Besorgt alles, was notwendig ist an Proviant oder Zelten, und ich komme mit Euch. Wir treffen uns morgen Mittag hier.

erfasste ihn jetzt der Tatendrang. Das war die Gelegenheit, nach Formosa überzusetzen - ohne für die nötige Verpflegung aufkommen zu müssen!
Beitrag Verfasst: Mo 29. Aug 2011, 15:41
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Wer seid Ihr, und was wollt Ihr um diese Uhrzeit?

maulte Lucius, der sich nur grob angezogen hatte, sobald er die Tür geöffnet hatte. Erst danach sah er, wer ihm gegenüberstand.

Ihr?

Ihr sagtet doch, ich solle heute früh wiederkommen.

Aber doch nicht so früh! Habt Ihr keine andere Freizeitbeschäftigung?

Mein Beruf ist gleichzeitig meine Freizeitbeschäftigung. Ähm... Darf ich Eure Pflanzen analysieren?

Von mir aus. Aber kommt ja nicht auf die Idee, vor halb Acht noch einmal anzuklopfen!

Ist gut.

Carlo Darvinus, der fanatische seinen Beruf liebende Naturforscher, wandte sich wieder ab und steuerte auf die Beete zu.
Lucius indes knallte die Tür zu und ging wieder ins Schlafzimmer.


Wer war das?

Dieser Idiot von Pflanzenkundler.

Er legte sich wieder ins Bett, auch wenn er nicht glaubte, noch einmal einschlafen zu können.
Beitrag Verfasst: Mo 29. Aug 2011, 15:36
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Der nächste Morgen, um vier Uhr.
Lucius und Giselle lagen in dem Bett in einem der Schlafzimmer, das sie sich schon am ersten Tag hier ausgesucht hatten. Beide schlummerten tief und fest, ab und an drehte sich einer der beiden von links nach rechts.
In Giselles Traum war sie von Büchern umgeben. Alte Bücher. Tagebücher. Alle aus irgendwelchen Verstecken weit fort von hier angekommen. Und sie alle umstellten Giselle, schienen hämisch zu grinsen. Dann fing eines der hinten stehenden Bücher an, rhythmisch auf den Bogen zu stampfen. Erst leise, dann wurde es immer lauter, weil sich die übrigen Bücher anschlossen immer das gleiche


*Poch* *Poch* *Poch*

beinahe wie eine Melodie. Nur wenige Augenblicke später schreckte Giselle auf. Zu viele Bücher! Und dieses Gestampfe...
Sie öffnete die Augen, um die Traumbilder zu vertreiben. Ein ganz schwaches Licht, das um diese Zeit schon schien, half dabei. Bloß das Pochen wollte nicht verschwinden.
Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, dass das Pochen real war. Jemand schien unten gegen die Eingangstür zu hämmern, und dieses Geräusch hatte sich mit ihrem Traum vermischt.


Lucius...

stubste sie ihren Mann erst zärtlich, dann etwas fester an.

Wach auf.

Wasis?

Da klopft jemand gegen die Tür!

Spinntwohl... Hrmpf.
Beitrag Verfasst: Mo 29. Aug 2011, 14:29
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
In seinem Arbeitszimmer sah sich Lucius den Schreibtisch genauer an. Er war leer, bis auf eine Unterlage und eine Schreibfeder in einer speziell geschnitzen Halterung. Zudem gab es noch eine Halterung für eine Lampe, schräg rechts über der Unterlage. Die Feder befand sich dazwischen.
Einer spontanen Idee folgend entfernte der Uhrmacher die Unterlage und legte sie auf den Boden.
Eine Einbuchtung genauso groß wie das Leder war in den Schreibtisch eingelassen, so tief, dass sie von der Unterlage genau ausgefüllt wurde.


Es sollte mich nicht wundern, wenn...

Die alte Karte passte ebenfalls exakt in diese Einbuchtung! Und das leere Lampengehäuse selbstverständlich in die dafür vorgesehene Halterung. Die Kerze, die sich draußen in der Bibliothek fand, setzte Lucius hier ein. Zu guter letzt ersetzte er die Feder durch den Krummstab, der durch sein dreieckiges Ende sicher stand.

Nachdem er die Kerze angezündet hatte, warf diese einen zunächst flackernden, sich aber mit der Zeit beruhigenden Schatten des Hirtenstabes auf die Karte. Und wenn man diesem Schatten folgte, dann endete er genau: auf Formosa!
Beitrag Verfasst: Mo 29. Aug 2011, 14:09
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Ich fürchte, dieser Wäscheständer wird keiner Kleidung mehr zum Trocknen verhelfen...

murmelte Lucius, als er sich die Bescherung genauer ansah. Kurzerhand sammelte er die Leine und die halb kaputten Stangen ein, "wer weiß, wozu man das mal gebrauchen kann".
Das Bücherregal schob er zurück an seinen Platz. Da jedoch ein Fuß abgebrochen war, kippelte es die ganze Zeit, und der Uhrmacher konnte die Bücher nur schwer wieder hineinstellen, ohne das weitere herausfielen.
zu guter Letzt sah er sich besorgt um, ob der Karte auf dem Tischchen etwas passiert war. Das war glücklicherweise nicht der Fall.
Beitrag Verfasst: So 28. Aug 2011, 10:30
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Wieder auf der Terrasse schaute sich Lucius den Wäscheständer genauer an. Es gab zwei Stützen aus Holz, die höhenverstellbar waren, unten Rollen zum Bewegen besaßen und zwischen denen eine stabile Leine befestigt war.
Um zu probieren, ob die Rollen ihre Arbeit auch erledigten, schob Lucius den Wäscheständer eine Armlänge nach vorne und zog ihn dann wieder zurück.


Geht. Ähm... Rollt.

Er kramte die alte Karte und den Hirtenstab hervor und befestigte beide an der Leine.

Hm... Eigentlich ist das Schwachsinn. Die Sachen sind schon so staubtrocken, dir muss ich nicht mehr aufhängen.
Einen Augenblick später hatte er beides wieder abgenommen. Den Krummstab verstaute er in einer Tasche - und den Wäscheständer ebenfalls!*

So bepackt machte er sich auf den Weg in die Bibliothek. Dort holte er den Ständer wieder hervor, stellte ihn ab und sich selbst vor eines der Bücherregale.
Das niedrigste, das er finden konnte, zog er näher an den Wäscheständer, drehte diesen dann so hoch wie möglich und befestigte das Regal an der Leine.


*Krawumms* *Krach* *Splitter* *Rumpel*

Ouhauerha...

Begleitet von lautem Getöse landete das Regal wieder auf dem Boden, der Stützfuß brach ab, einige Bücher flogen heraus und Macken blieben im Parkett zurück. Die Leine des Wäscheständers war gerissen, und der linke stützende Holzstab in der Mitte gebrochen. Am rechten hatten sich die Räder derart fest in den Stab gebohrt, dass sie nicht mehr zu bewegen waren.

_____________________________
*Jedes bessere Adventure ist so unrealistisch. Ein Adventure, dass etwas auf sich hält, muss es dem Protagonisten ermöglichen, einen mit einer Banane hypnotisierten, bewegungsunfähigen Affen in der Innentasche seiner Jacke oder eine komplette Leiter in seinem Zauberhut zu verstauen.
Und da das hier ja schon beinahe zu einem Text-Adventure ausgeartet ist, sollte es für Lucius kein Problem sein, den Wäscheständer mitzunehmen. Das ist schließlich kein 08/15-Spiel hier.
Beitrag Verfasst: So 28. Aug 2011, 07:41
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Ach ja...

Mit einem erleichterten Brummeln lehnte sich Lucius mit verschränkten Armen auf das Geländer des Balkons im obersten Stockwerk. Er ließ den Blick schweifen über die weitläufige Aussicht, die man von hier genießen konnte. Über die Mauer des Gutshauses, die Felder, die Grundstücksmauer hinaus bis zur Küstenstraße, wo bei diesem Wetter nur selten einmal Menschen vorbeikamen.
Hier oben hingegen war es angenehm. Lucius schloss die Augen, ließ sich die Brise um die Nase wehen, die vom Meer her kam, und nahm einige tiefe Atemzüge der leicht salzigen Luft. Für einige Minuten rührte er sich nicht, genoss einfach das hiesige Klima.

Schließlich stieß er sich von dem Geländer ab.


Was macht Giselle eigentlich so lange mit der Statue? Es kann doch keine zehn Minuten dauern, die zu putzen...

Schulterzuckend verließ er die Terrasse wieder, machte sich stattdessen auf den Weg in die Bibliothek.
Hier war es eher dämmrig, weil durch die zahlreichen Regale kaum mehr Platz blieb für Fenster. Das einzige Licht drang nur von den Fenstern der tiefer gelegenen Halle und einigen Lampen her.
Die Bücherregale waren allesamt aus dunklem Holz, manche Fächer mit kleinen abschließbaren Türen, und fast alle waren gefüllt bis zum Stehkragen.


Viel maritime Literatur... murmelte Lucius, als er einige der Fächer öffnete und hineinsah. Dann wandte er sich dem Tischchen zu, dass in der Mitte des Raumes stand und an drei Seiten von Sesseln umgeben war. Darauf stand eine Lampe mit Kerze darin, ein Schälchen Kienspäne lag daneben.
Beitrag Verfasst: Sa 27. Aug 2011, 11:43
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Aber... Aber ich...
Lucius schüttelte mit dem Kopf, nachdem er Giselle hinterher gesehen hatte.
Er ging nun zum Esstisch zurück, band den Faden auf, der die alte Karte zusammenhielt, und rollte diese aus.


Mal sehen... Datiert auf das Jahre 1352 zeigt diese Karte den Küstenverlauf von Porto Vecchio und Formosa.

Er zog die anderen Dinge heran. Zunächst nahm er den Krummstab in die Hand, drehte ihn mehrmals, fuhr mit dem Finger an allen Seiten entlang.

Ein typischer Krummstab, die ihn Hirten oder Bischöfe besitzen. Hm... Das Ende der langen geraden Seite ist dreieckig...

Von der Lampe ließ er schnell wieder ab. Es handelte sich bloß um ein leeres, metallenes Gehäuse ohne Kerzen darin.
Er nahm alle drei Sachen mit, ging mit der Karte besonders vorsichtig um, und ging zur Tür in die Eingangshalle.


Eine schlichte, doppelflügelige Tür aus Holz.

Da er die Hände voll hatte, stieß er sie mit dem Fuß auf.
Beitrag Verfasst: Sa 27. Aug 2011, 09:16
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Disclaimer hat geschrieben:
Haftungsausschluss:
Die folgenden Inhalte wurden von dem üblichen Autor mit Nickname "Lucius Horologius" verfasst, fußen allerdings nicht auf dessen Fantasie oder Gedankengängen.
Für Wertobjekte kultureller oder künstlerischer Art kann daher von Seiten des Autors keine Haftung übernommen werden. Auch Schäden an Leib und Leben, vor allem von Kunstliebhabern, die ob des Textes dieses Beitrags einen Kreislauszusammenbruch erleiden, sind von jeglicher Haftung ausgenommen.
Eltern haften für ihre Kinder. Hunde müssen angeleint draußen bleiben.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stand Lucius auf, stellte die Statue der Thalia auf den Boden und sich dann neben Giselles Stuhl.

Was hast du vor? fragte seine Frau verdutzt, als sie die Statue dort unten sah.

Komm her!

Mit einem Lächeln im Gesicht forderte Lucius sie auf, aufzustehen. Er nahm sie in den Arm, ging mit ihr etwas weiter in den Raum hinein, schlang seine Arme um ihre Hüfte und hob sie dann um etwa die Höhe einer ausgestreckten Hand an.

Lucius?!

Mit einem Fuß über der Statue stellte er sie wieder ab. Dann wartete er ab, was passierte.
Er erntete einen vollkommen verdatterten Blick von Giselle, die von der Statue herunterging.


Was sollte das denn?
Ich weiß nicht. Irgendwie sagte mir eine innere Stimme, ich solle versuchen, dich mit der Statue zu benutzen.

Giselle drehte sich in Richtung Leser.

Findest du nicht auch, dass Lucius jetzt vollkommen verrückt und der ganze Post hier niveaulos geworden ist?

Dann nahm sie die Statue in die Hand, ging damit in die Küche.

Du hast keine Ahnung, wie man mit solchen Kunstschätzen umgeht. Nicht einmal sauber gemacht hast du die Thalia!
Beitrag Verfasst: Fr 26. Aug 2011, 16:51
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Im Gegensatz zu den Tagebüchern, denen Giselle nichts abgewinnen konnte, die sie ja sogar verärgerten, fand sie sofort Gefallen an der kleinen Statue, die Lucius aus der unterirdischen Halle mitgebracht hatte.

Ach Gott, ist die niedlich. Kaum größer als eine ausgestreckte Hand. Aber sag mal - fehlt da etwas? erkundigte sie sich, wobei sie auf die ausgestreckte, aber leere rechte Hand der Figur deutete.

Ja, und zwar dieses Teil hier. bestätigte Lucius. Dabei kramte er den Hirtenstab hervor, der ihm heruntergefallen war, als er die Statue an sich genommen hatte.
So, wie ich das sehe, war der Stab aber nie befestigt, sondern befand sich immer schon locker in der Handfläche.

Hm... Eine Hirtin?

Ich vermute, dass es sich hierbei um die Thalia handelt, die einzige der neun Musen, die hier im Haus nicht zu finden war. Eines ihrer Symbole ist der Krummstab.

Was hast du da noch?

Lucius legte nun auch die anderen Objekte auf den Esstisch im Wohnzimmer, an dem sie saßen. Ohne das Tagebuch natürlich.

Ein Lampengehäuse ohne Kerze drin und eine alte Karte.

Innerlich war der Uhrmacher ganz froh, dass Giselle diese Sachen nicht mit seiner Suche in Verbindung brachte. Das würde sie aber sicherlich noch tun, denn scheinbar war er noch nicht ganz am Ende: Entgegen der Aussage im vorherigen Tagebuch hatte Lucius' Ahn sich scheinbar kurzfristig umentschieden und doch noch ein weiteres geschrieben, weshalb dies Exemplar von unter dem Meerhuus keine neuen Informationen beinhaltete bis auf weitere Details zur Entstehung des Gutshauses.
Beitrag Verfasst: Fr 26. Aug 2011, 09:09
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Warte kurz… merkte Lucius Giselle gegenüber an, rief dann in Richtung der fremden Stimme

Entschuldigung?!

Es schien, als befinde sich da jemand in dem Blumenbeet an der Mauer gegenüber des Lagerhauses. Während Lucius dorthin ging, erkundigte er sich ins Nichts

Kann man helfen?

Unter Umständen schon.

Ja, kein Zweifel, da hockte jemand inmitten der Blumen, gab sich nicht zu erkennen, und führte Selbstgespräche.

Möglicherweise eine bisher unbekannte Unterart...

Ich muss doch sehr bitten. meldete sich der Uhrmacher wieder. Hättet Ihr wohl die Güte, da herauszukommen?

Sicher, sofort. Eine Sekunde.

Ein Mann wuselte sich an den Ästen und Blüten vorbei, ging dabei sehr vorsichtig mit den Pflanzen um, schien sie beinahe zu streicheln. Er war offenbar schon in den Mittfünfzigern, mindestens, und trug das ergraute Haar ungekämmt.Ein buschiger Schnäuzer schaute unter der knallroten Nasenspitze hervor. Das irrsinnigste war aber die riesige runde Brille, durch die es so aussah, als würde der Mann schielen - vielleicht tat er dies auch tatsächlich.
Nun rupfte er sich die hängengebliebenen Zweige aus den Haaren, klopfte den gröbsten Staub aus seiner Kleidung.


Ich darf mich vorstellen: Carlo Darvinus, meines Zeichens Naturforscher und Pflanzenkundler.

Er reichte Lucius die Hand, ließ ihm aber gar keine Gelegenheit, sich ebenfalls vorzustellen.

Wusstet Ihr, dass Ihr eine sehr seltene Pflanze in Eurem Garten beherbergt?

Was, zum Geier, macht Ihr überhaupt hier?

Darvinus ging gar nicht näher darauf ein. Seht Ihr diese Pflanze? Sie offenbart dem geübten Auge sofort ihre Seltenheit und ihren Wert.

Lucius deutete auf die Mauer, die das Gutshaus umgab. Seht Ihr diese Mauer? Sie offenbart selbst dem ungeübten Auge sofort ihre Botschaft: Ende im Gelände!

Das Tor war offen... zuckte Darvinus nur mit den Schultern.

Und Ihr nehmt das als Einladung, Euch ungefragt in fremde Gärten zu schleichen und Euch dort in die Büsche zu werfen? Wie kommt Ihr auf so eine Idee?

Ich konnte von dem Küstenweg aus erkennen, dass auf Eurem Grundstück Getreide und Kräuter wachsen, obwohl der Boden um Porto Vecchio doch als unfruchtbar gilt. Daher kam ich näher, um dies zu untersuchen.

Sehr schön. Und das nächste Mal fragt Ihr vorher nach. Ich hätte es Euch bestimmt nicht verwehrt, aber so...

Lucius deutete mit dem Zeigefinger in Richtung Tor.

Wenn Ihr hier wirklich weiter studieren wollt, dann kommt morgen wieder und klopft vorher an, ja.

Selbstverständlich. Ciao, Signore! Mit einer Selbstverständlichkeit, als sei er hier zu Hause und könne jederzeit alles und jeden rund um das Meerhuus untersuchen, bewegte sich Carlo Darvinus auf das Tor zu, wo er das Grundstück verließ.
Beitrag Verfasst: Mi 17. Aug 2011, 18:24
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Dass du das überhaupt fragst... Ein knappes Kopfschütteln, dann begann Giselle.

Wenn ich auf die letzte Woche zurückblicke, gibt es da einige Dinge, die mir unangenehm aufstoßen. Ich habe ja grundsätzlich nichts dagegen, dass du nach deiner Familiengeschichte suchst, die ja offensichtlich niemand kennt. Bloß widmest du dieser Suche eine Aufmerksamkeit und Konzentration, wie du sie sonst nie in etwas steckst. Alles um dich herum scheinst du zu vergessen. Zuerst verschwindest du spätabends nach draußen, mit dem Hinweis, du seihst bald zurück. Dann folgt kein Lebenszeichen von dir, bis du drei Tage später wieder auftauchst, mit der knappen Anmerkung "Ich war mal eben in Porto Vecchio". Kurz darauf machst du den Laden vorläufig dicht und beschließt, wegzufahren. Einfach so. Kaum, dass wir hier sind, und ich den Markt in der Stadt besuche, buddelst du unter dem Brunnen herum, und ich finde wieder kein Anzeichen von dir. Wo steckt er diesmal? Vielleicht in Borghetto? Am nächsten Morgen sehen wir uns auch wieder nur kurz, weil du dich kurz darauf in dein Arbeitszimmer verkriechst und wieder nur dieses Buch im Kopf hast. Als sei das alles so eilig und könne keinerlei Aufschub dulden.

Lucius ließ sich Zeit mit seiner Antwort. Er dachte ebenfalls eine Weile nach. Giselle hatte genau das gesagt, worüber er schon unten in der Halle gegrübelt hatte. Und er kam zu dem Schluss, dass es auch nicht als Ausrede taugte, zu sagen, er hätte das für das Kind gemacht, um diesem etwas vermitteln zu können. Bis das Kind alt genug war, um zu verstehen, dürften noch Jahre vergehen. Genug Zeit also, diese Suche zu beenden. Warum alles auf einmal? Wohl nur aus einem Grund: Er wollte. Lucius wollte das alles wissen, und zwar jetzt sofort. Aus diesem egoistischen, rein eigennützigen Grund kniete er sich derart verbissen in die Suche, ließ seinen Haushalt in Unkenntnis und Sorge um seinen Verbleib zurück, verkrachte sich mit dem Vater seines Cousins und so fort.
Und wie erzählte er das jetzt Giselle?


Du hast Recht. begann er ganz simpel. Mit jedem Wort. Allerdings dachte ich...

Eine Stimme von gar nicht so weit weg unterbrach ihn. Jemand schien aufgeregt ein Selbstgespräch zu führen.

Mein Gott, das hier ist eine Spezies, die ich nie zuvor gesehen habe! Etwas höchst exotisches! Auf den ersten Blick ähnlich dem Gemeinen Steppenhermelin, aber wenn man genauer hinschaut...
Beitrag Verfasst: Mi 17. Aug 2011, 16:37
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Jetzt hängst du schon wieder den halben Tag über diesem Buch. Mit anklagendem Tonfall drang die Giselles Stimme von der Tür des Arbeitszimmers zu Lucius, der drinnen am Schreibtisch saß.
Er blickte kurz auf, sah dann an sich herab. Und tatsächlich saß er, den Kopf auf beide Hände gestützt, mit gebeugtem Rücken dort, starrte auf das Tagebuch, welches er am Vortag unten in der Halle gefunden hatte.


Draußen ist so ein schönes Wetter, die Sonne scheint, ein Lüftchen weht vom Meer her, die Blumen leuchten in ihren prächtigsten Farben, und du hockst hier drinnen und hast mal wieder keinen Sinn für etwas anderes als dieses verfluchte Tagebuch.

Als der Uhrmacher den Kopf wandte, konnte er gerade noch sehen, wie Giselle wieder ging, die Treppe herab, mit einem Tablett in der Hand. Darauf auf jeden Fall frisches Brot und eine Flasche Wein, mit Sicherheit auch noch andere Köstlichkeiten.

Falls du es dir doch noch anders überlegst, ich sitze unten am Teich. rief sie zu ihm herauf. Dann hörte Lucius nur noch die Haustür zuschlagen, danach war Stille.
Mit einem Schnauben, das irgendwo zwischen Wut und Resignation angesiedelt war, schlug er das Tagebuch ungewohnt grob zu, erhob sich dann von seinem Stuhl. Kurz fuhr er sich mit der Rechten über den Rücken, während er ans Fenster trat und hinaussah. Seine Frau überquerte gerade den Rasen, bis sie unter dem Dach verschwand, das die Sitzecke neben dem Teich abdeckte.

Er verließ das Arbeitszimmer, ließ die Tür vernehmbar zufallen, und stieg dann ebenfalls die Treppen hinab bis in die Eingangshalle. Dort trat er durch die Haustür, welche er schon sanfter schloss, und folgte dann in etwa dem Weg, den Giselle zuvor genommen hatte. Sie stand direkt neben dem Wasserlauf, welcher den Teich mit Meerwasser speiste, und starrte über die Grundstücksmauer hinweg auf die See.
Mit keiner Regung ließ sie erkennen, ob sie Lucius' Ankunft bemerkt hatte, zuckte auch nicht einmal mit der Wimper, als er neben sie trat und mit dem Zeigefinger hinten über ihren Hals fuhr.
Davon dich ein wenig verunsichert trat Lucius einen Schritt zur Seite, sah sie aber weiterhin an.


Was genau ist denn eigentlich los, hm?

Seufzend drehte Giselle sich zu ihm, warf ihm einen ernsten, leicht verärgerten Blick zu, bevor sie wieder aufs Meer hinaus sah und zu einer Antwort ansetzte.
Beitrag Verfasst: Mi 17. Aug 2011, 07:27
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Da lag es vor ihm: das letzte Tagebuch, welches Lucius' Urahn geschrieben hat. Das Buch, in dem endlich die offenen Fragen geklärt werden sollten.
Beispielsweise der Name seines Vorfahren.
Mit aller gebotenen Vorsicht schlug der Uhrmacher es noch auf dem Lesepult auf, schlug Seite um Seite um, starrte auf die Buchstaben, im dämmrigen Licht der umgebenden Fackeln, völlig gedankenverloren. Die Ereignisse der letzten Woche gingen ihm noch einmal durch den Kopf.

Mit diesem einen Buch in York hatte alles angefangen. Dieses noch von seinem Vater zuletzt beschriebene Exemplar hatte Lucius auf die Spur geführt. Erst die Città Nuova, dann Porto Vecchio, zurück nach Palatina, San Paolo. Danach folgte die Altstadt, die er jedoch hatte überspringen können, da Malcolm im Besitz eines der Tagebücher war, und ihm dies überreicht hatte.
Ja, Malcolm. Der war überhaupt nicht erfreut, beinahe schon erzürnt über Lucius' Vorhaben. Auch seine eigene Frau hatte sich mehrmals beschwert, auch wenn es ihr zuletzt recht gleichgültig erschienen war.
Wohl nicht zuletzt dank der Idylle und Lage dieses Gutshauses.

All das hatte Lucius letzten Endes nur wegen dieses einen Buches auf sich genommen, das jetzt vor ihm lag. Nur um zu erfahren, wer dieser mysteriöse Urahn war und was er angestellt hatte.

Gut, was hieß "nur". Es war sicherlich nie verkehrt, die eigene Geschichte zu kennen, auch wenn Malcolm das anders sah. Jetzt, da er so weit war, konnte Lucius nur den Kopf schütteln. Seit Generationen hatten die McAllen immer nur weitergereicht, dass etwas Schlimmes passiert ist, was man besser im Dunkeln lässt. Ryan schien nicht mehr zu wissen als das, weil Malcolm ihm nie mehr erzählt hatte. Vielleicht wusste auch der alte Mann nicht mehr, weil er nie mehr erzählt bekommen hat. Bewusste Vorenthaltung von Fakten vielleicht, von einem McAllen aus langer Vorzeit, um mit Absicht eine subjektive negative Einstellung hervorzurufen?

Eines war Lucius klar, nämlich, dass er es anders machen wollte. Er dürfte bald ein Kind bekommen, und gleich ob Sohn oder Tochter, sobald es als genug sei würde, wollte Lucius ihm alles erzählen können. Damit sich das Kind selbst eine Meinung bilden und unvoreingenommen mit der Familiengeschichte umgehen konnte.

Ach ja, gute Vorsätze. Nicht selten machte man sich gute Vorsätze, nur um sie dann später doch nicht zu halten - oder nicht halten zu können.
Oder musste dieser Vorsatz nicht vielleicht sogar nur als Begründung herhalten für die Suche, die Lucius auf sich genommen hatte? Dafür, dass er sich irgendwie mit Malcolm gestritten hatte? Möglicherweise würde ihn ja später jemand fragen, vielleicht Petrus am Himmelstor, warum er sich in Zwietracht von Malcolm getrennt und diesen nicht beseitigt hatte, bevor er gestorben war. Und was sollte Lucius dann antworten?
Es war zumindest möglich, dass die Geschichte, er wolle seinem Nachfolger alles erzählen können, letztendlich nur ein Vorwand war; wenn auch ein guter.

All diese Gedanken schossen Lucius durch den Kopf, während er so durch das Tagebuch blätterte. Keinen Satz daraus hatte er gelesen oder ihn nach dem Lesen sofort wieder vergessen. Stattdessen nur Grübeleien.
Als er jedoch am Ende des Buches angekommen war, klappte er es vernehmlich zu, dass der Schlag von den Wänden widerhallte, steckte die Statue in eine Tasche, klemmte sich die zusammengerollte Karte unter einen Arm, nahm das Tagebuch in die eine und seine Fackel in die andere Hand und verließ die Halle sowie den Brunnen mit eiligem Schritt.
Beitrag Verfasst: Mi 17. Aug 2011, 07:25
  Betreff des Beitrags:  Re: Datt Meerhuus  Mit Zitat antworten
Eine ausladende Halle eröffnete sich Lucius, mit Boden und Wänden aus düsterem Stein, die hohe Decke getragen von wuchtigen Säulen, wie sie auch aus römischer Antike hätten stammen können. Links und rechts standen sich immer zwei Säulen gegenüber, bildeten drei Gänge links, rechts und in der Mitte. Über die gesamte Länge der Halle gab es insgesamt zwölf solcher Säulenpaare, und an jedem zweiten war eine Halterung mitsamt Fackel angebracht.

Während der Uhrmacher den Mittelgang entlang trat, entzündete er die Fackeln. Schon bald wurde die unterirdische Halle von einem gleichmäßigen, wenn auch unruhigen Licht ausgefüllt, dazu das leise Knistern des Feuers und der Schall der Schritte.

Hier gab es nichts. Keinerlei Möbel füllten den Raum, keine wertvollen Teppiche hingen an den Wänden, und nirgendwo gab es eine Schatztruhe, wie man es vielleicht hätte erwarten können. Nur ganz am Ende in der Mitte der Halle, dort stand ein Lesepult mit einem Buch darauf, einer zusammengerollten Karte und einer kleinen Statue. Es wirkte verloren, geradezu lächerlich winzig in diesem riesigen Gewölbe.


Ob das das endgültige Ziel meiner Suche ist?

flüsterte Lucius zu sich selbst, und schallte es von den Wänden zurück.
Beitrag Verfasst: Di 16. Aug 2011, 16:36

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