Palatina sul aqua

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 Betreff des Beitrags: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: So 31. Jul 2011, 14:28 
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Möchte man „datt Meerhuus“ beschreiben, bietet sich eine Dreiteilung des Gebäudes an: das Stallhaus, das Zwischenhaus und das Wohnhaus.
Allen gemein ist, dass das Erdgeschoss aus grauem Stein gebaut ist, die Obergeschosse jedoch in Fachwerkbauweise mit weißen Gefach errichtet wurden. Die Dächer von Stall- und Wohnhaus sind mit Reet eingedeckt.
Umgeben wird das gesamte Gutshaus von einer etwa brusthohen Mauer aus roten Ziegeln. Mittig ist ein schmiedeeisernes Tor eingelassen, auf der linken Seite ist die Mauer unterbrochen, um Fuhrwerken genug Platz zu lassen, die ihre Waren in das Lager bringen wollen.
Durch das Tor gelangt man auf einen gepflasterten Weg, der nach ein paar Schritten in einen Hof übergeht. Von diesem Hof, in dessen Mitte sich ein überdachter Brunnen befindet, gelangt man links zu den fünf Eingängen der Ställe, rechts zu einem kleinen Teich und geradeaus zu der Eingangstür des Wohnhauses.
Der eben angesprochene Teich wurde vom Erbauer des Meerhuus angelegt und wird vom rechts des Gebäudes gelegenen Tyrrhenischen Meer gespeist. Seerosen bedecken die Teichoberfläche, und ein Ruderboot dümpelt vor sich hin, bereit, ein Stückchen weit auf das Meer hinauszufahren.
Neben dem Teich wiederum liegt eine überdachte Sitzecke, von der aus man einen schönen Blick auf den Ozean oder die Blumenbeete genießen kann. Etwas abseits unter offenen Himmel befindet sich zusätzlich eine Feuerstelle, die gerade im Sommer dazu einlädt, Freunde einzuladen und mit diesen abends etwas Fleisch zu grillen.

Der gesamte linke Gebäudeteil ist zwei Stockwerke hoch. Im Erdgeschoss, erreichbar über das große Tor an der Schmalseite, finden die Kutschen und Pferde der Bewohner und Besucher Platz; erstere auf der dem Hof abgewandten Seite, letztere auf der zugewandten. Dadurch können die Pferde auch vom Hof aus in die Ställe geführt werden.
Alle eingekauften und auf dem Gut selbst produzierten bzw. gefangenen Waren werden in dem Lager im Obergeschoss aufbewahrt, bis sie benötigt oder verkauft werden.

Das Zwischenhaus verbindet die beiden anderen Gebäudeteile, indem es sich schräg zwischen ihnen befindet.
Während das Erdgeschoss eine Vorratskammer mit einigen Weinfässern, Gemüseamphoren und von der Decke hängendem Fleisch beherbergt, befindet sich im ersten Obergeschoss die Verwaltung des Lagers. Im zweite Obergeschoss schließlich liegt das Büro des Hausherren. Hier wird die Vorliebe zu maritimen Gegenständen des Erbauers deutlich: Ein altes Steuerrad hängt an der Wand, Gemälde von Meer und Segelschiffen zieren den Raum und überhaupt könnte das Büro auch die Kapitänskajüte auf einem Segler sein.
Zwar wird von außen der Eindruck erweckt, es würde noch ein (unausgebautes) viertes Geschoss geben, aber das täuscht - in Wahrheit hat nur das Büro keine Decke und erstreckt sich so über zwei Stockwerke in die Höhe.

Kommen wir als nächstes zum Wohnhaus. Betritt man dieses durch die Eingangstür, findet man sich zunächst in einer schlicht eingerichteten Halle wieder. Diese wird dominiert von einer ausladenden Treppe, an beiden Seiten flankiert von marmornen Statuen des Poseidon.
Durch eine Tür in der linken Wand gelangt man in die Küche, die rechte Tür führt in das Wohnzimmer.
Zimmer ist eigentlich untertrieben, der Raum geht ob seiner Größe auch als Saal durch. Mittig an der Längsseite befindet sich ein Kamin, davor stehen zwei lange Esstische, in der hinteren rechten Ecke gibt es eine gemütliche Sitzecke. Durch eine in Richtung Teich zeigende „Gebäudenase“ gelangt man in eine Art Arkadengang, umgeben von Wänden, in die gleichmäßig viele runde Durchgänge eingelassen wurden.
Im ersten Obergeschoss des Wohnhauses befindet sich ganz links ein nicht ausgebauter Raum. Mittig liegt eine weitere Halle, die man von der Treppe der Eingangshalle aus erreicht. Diese Halle besitzt keine Decke, sodass man von hier bereits nach oben in den zweiten Stock sehen kann (siehe Bild am Ende der Beschreibung).
Die rechte Seite des ersten Obergeschosses beherbergt einige Schlafzimmer und zwei Badezimmer für die Hausbewohner und deren Gäste. Zudem gelangt man von hier auf einen teilweise überdachten Balkon.
Wie schon gesagt, ist die Halle hier nach oben hin offen. Dementsprechend gibt es keinen darüber liegenden Raum im zweiten Obergeschoss. Über die linke Treppe erreicht man die Bibliothek, gut ausgestattet mit Geschichten und Erzählungen vor allem über das Meer, die der Erbauer im Laufe seines frühen Lebens zusammengetragen hat.
Die rechte Treppe führt in einen Raum, den man in ein paar Jahrhunderten „Hobbyraum“ nennen wird. Dominiert wird dieser von einem aufgeklappten Flügel, aber es gibt auch eine Harfe.
Ferner gelangt von hier man zu einer Terrasse, die von stockwerkshohen Mauern umgeben ist, aber natürlich keine Decke besitzt. Diese Terrasse dient gleichzeitig als Verbindung zu einem weiteren Balkon.

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Und das Ganze noch einmal in Kurzform für Listenfreunde

Orientierung:

Erdgeschoss:
    Stallhaus: Ställe
    Zwischenhaus: Vorratskammer
    Wohnhaus: Küche, Eingangshalle, Wohnzimmer

Erstes Obergeschoss:
    Stallhaus: Warenlager
    Zwischenhaus: Lagerverwaltung
    Wohnhaus: ein leerstehender Raum, Flur, Schlafzimmer, Balkon

Zweites Obergeschoss:
    Zwischenhaus: Büro des Hausherren
    Wohnhaus: Bibliothek, „Hobbyraum“, Terrasse, Balkon



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Carlo Darvinus, Naturforscher | Cristian, "Antiquitätenhändler" | Opa Hoppenstedt, selbiger


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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: So 31. Jul 2011, 14:30 
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Nachdem sich sowohl Lucius als auch Giselle eine Weile um und im Gutshaus umgesehen hatten, trafen sie sich an der Sitzecke neben dem Teich.
Mittlerweile war der Tag alt geworden, die Sonne stand schon tief und warf nur noch ein dämmriges Licht.


Dieses Gutshaus hat einen Namen. begann Lucius zu erzählen, was er gefunden hatte. Über der Tür zum Arbeitszimmer ist er eigemeißelt, und auch in einigen Dokumenten wird er öfter erwähnt: "Datt Meerhuus".

Sehr passend. Aber was ist das für ein Dialekt?

Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall weder ein italienischer noch ein englischer.

Ich habe mich zuerst in der Küche und den angrenzenden Räumen umgesehen. Und wenn die Fässer in der Vorratskammer noch von deinem Vorfahren stammen, dann haben wir da einen über zweihundert Jahre alten Wein stehen.

So ging es eine Weile weiter. Schließlich hatten sie sich das Wichtigste berichtet, und Lucius sah auf seine Uhr.

Lass uns ins Bett gehen. Ist spät geworden, und ich kann mir gut vorstellen, dass wir die nächsten Tage einiges zu erkunden haben.

Auf dem Weg in den zweiten Stock des Wohnhauses sprachen sie erst einmal kein weiteres Wort, bis Giselle irgendwann fragte

Ist das nun eigentlich dein Haus?

Ich weiß es nicht. Das ist eine Frage, die Malcolm wohl am besten klären könnte. Bloß ist der auf mich nicht sonderlich gut zu sprechen im Moment…

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: So 31. Jul 2011, 14:32 
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Am nächsten Morgen war Lucius schon früh auf. Er warf kurz einen Blick neben sich, sah seine Frau noch schlafen, und verließ das Zimmer, für welches sie sich letzten Abend entschieden hatten, so leise wie die alten, teilweise knarzenden Dielen es zuließen.

Mal schauen, ob es auf diesem Grundstück irgendetwas Essbares gibt.

Er ging ins Erdgeschoss, betrat dort zunächst die Küche. Was hier neben der Feuerstelle als Erstes ins Auge fiel, war die Statue einer Frau, die eine Obstschale nach rechts vorne hielt und auch in diese Richtung sah, als wollte sie die Früchte jemandem reichen. Abgeschnitten war diese marmorne Statue auf Hüfthöhe, sie stand auf einem Podest aus düsterem Holz.
Beim Anblick dieser Statue musste Lucius unweigerlich an eine ähnliche denken, die in einem der Schlafzimmer stand. Diese hielt die Hände hinter den Kopf und ließ ihre Haare nach hinten fliegen, während sie über etwas gebeugt zu stehen schien.
Und noch etwas weiter gedacht – die neun Musen am Ermelino in San Paolo waren in demselben Stil wie diese beiden gefertigt.
Das konnte kein Zufall sein.

Erst einmal kümmerte sich Lucius aber nicht weiter darum, öffnete stattdessen die Tür zur Vorratskammer und schaute sich dort um. Es gab tatsächlich einige Eichenfässer, daneben geschlossene Kisten und zugeschnürte Säcke. Eine dieser Kisten öffnete der Uhrmacher. Darin fand er Brot vor. Überrascht nahm er einen Laib heraus. Der sah recht frisch aus, roch auch so und schien nirgends zu schimmeln. Mit einer ruckartigen Bewegung brach Lucius das Brot in der Mitte. Auch hier kein Anzeichen von Fäule. Es hatte den Anschein, als wären diese Laibe erst vor Kurzem hier deponiert worden.

Je mehr er darüber nachdachte, desto geheimnisvoller erschien Lucius das Meerhuus.


Eine knappe Stunde später saß er mit Giselle an dem ausladenden Esstisch im Wohnzimmer. Er hatte auch noch etwas Käse gefunden, der ebenfalls frisch war, und ihnen einige Brotscheiben zum Frühstück zubereitet.
Während sie aßen, ließ Lucius den Blick durch den Raum wandern. Auch hier gab es wieder eine Statue. In der einen Hand hielt sie eine Papier- oder Pergamentrolle, in der anderen eine Schreibfeder, beiden von sich gestreckt. Ihr Blick war nach unten gerichtet, als würde sie in ein Behältnis am Boden oder etwas Ähnliches schauen.


Sag mal; diese Statue dort – kommt die dir nicht bekannt vor?

Ähm… ja. Irgendwie… sie sieht so aus wie eine von denen am Theater in Palatina.

Richtig. Das ist Klio, die Muse der Geschichtsschreibung. - Steht auf dem Schild unten am Sockel. schob er auf Giselles überraschten Blick hinterher. Und es gibt in ganzen Haus hier noch mehr von diesen Statuen. Bloß war ich gestern wohl zu unkonzentriert oder was auch immer, mir sind sie nicht aufgefallen.

Und du vermutest irgendetwas dahinter, richtig?

Stimmt. Ein breites Grinsen stahl sich auf Lucius‘ Gesicht. Nach dem, was ich über meinen Urahn weiß, was er ein gerissener und durchtriebener Zeitgenosse. Zwar habe ich keine sichere Ahnung, welchem Beruf er nachging, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er Bildhauer war. Und ich muss immerhin noch das letzte Tagebuch finden. Läge es da nicht nahe, dass er in seinen Statuen eine Botschaft versteckt?

Schon. Bloß – wie und wo willst du die finden?

Das ist jetzt der nächste Schritt.[strike]- :evil: -[/strike]

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Mi 3. Aug 2011, 11:05 
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Mit konzentriertem Blick starrte Lucius auf eine Skizze, die vor ihm auf dem Schreibtisch lag. Er hatte insgesamt acht Statuen im ganzen Haus gefunden, sich die Blickrichtung notiert und übertrug diesen nun auf einen Papierbogen mit dem grobes Grundriss des „Meerhuus“.

Hm…

hörte man bloß ab und an. Als alle acht Statuen eingezeichnet waren, verdeutlichte er die Richtung, in die sie sahen, mit einer dünnen Linie, beginnend bei den beiden aus Küche und Wohnzimmer. Schon nach diesen zwei Hilfslinien war klar, wohin sie deuteten: Alle waren so postiert, dass sie den Brunnen auf dem Hof anzuschauen schienen, der gar kein Wasser führte.

Soll das heißen, ich muss in den Brunnen klettern?

Vorsorglich zog Lucius sich schon einmal ältere Kleidung an, ging dann die Treppen hinab und trat aus der Haustür. Langsam ging er auf den Brunnen zu, schaute unter dessen Dach in die Tiefe.
Die Tiefe, die gar nicht so tief war. Vielleicht ein Stockwerk, dann ließ sich schon der Grund erkennen. Und kein Wasser. So staubtrocken, wie es dort unten aussaß, hatte der Brunnen noch nie Wasser geführt.
Eine Weile blieb der Uhrmacher so stehen, über den Rand gebeugt, nach unten starrend. Dann stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht.


Oh Urahn…

Ihm fiel die Stellung der Klio wieder ein, die so gestaltet war, als würde sie ihr Schreibzeug irgendwo hinabwerfen wollen. Sie, die Muse der Geschichtsschreibung. Deutlicher ließ es sich doch gar nicht darstellen, wo das letzte Tagebuch liegen würde. Lucius stöhnte innerlich, weil er so lange gebraucht hatte, um darauf zu kommen. Nun aber hielt er sich an dem Brunnenseil fest, schwang sich über die Brüstung und hoffte, das Gebälk würde sein Gewicht aushalten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Mi 3. Aug 2011, 11:14 
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Das hier war kein richtiger Brunnen. Ein richtiger Brunnen hatte mindestens einen Gang, der vom Schacht aus zu einer alten, morschen Tür führte. Der Schacht hier führte aber in eine Sackgasse. Und Wasser führte er auch nicht.
Enttäuscht blickte sich Lucius in der Fehlkonstruktion um. Wo, bitteschön, sollte er suchen, wenn nicht hier? Die Hinweise waren doch so deutlich gewesen!

Zum wiederholten Male ging er den Gang hinab, beleuchtete ihn mit der Fackel, die er eben noch geholt hatte, bevor er das letzte Stück vom Seil herabgesprungen war. Je weiter er hineinging, desto feuchter wurde die Erde an Boden und Wänden, die beim Bau mit hölzernen Stützpfosten verstärkt worden waren. Und dann, nach vielleicht einer Minute, endete alles an einer Wand aus genau der Erde wie alle anderen. Als hätte man einfach aufgehört, weiterzubauen. Aber warum dann die Mühen, bis hierher zu kommen?
In der abschließenden Wand befand sich ein kleines Loch auf Augenhöhe, kaum groß genug, um einen Finger hindurchstecken zu können, aus dem beständig Wasser tropfte. Unten hatte sich eine Pfütze gebildet, etwa von der Breite eines Fußes, wo sich das Wasser sammelte, dass der Boden nicht mehr aufnahm. Alle paar Augenblicke traf mit einem „Plitsch“ ein weiterer Tropfen in die Pfütze.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Mi 3. Aug 2011, 17:26 
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Nichts Besonderes also. Und scheinbar gab es hier auch keine weiteren Erkenntnisse. Die Idee mit dem Brunnen war also ein Schlag ins nicht vorhandene Wasser.
Könnte man meinen.
Wenn, ja wenn da nicht dieser Umstand wäre, dass es hinter der Mauer Wasser geben musste. Und zwar nicht wenig, schließlich tropfte es ja auf Lucius‘ Augenhöhe.


Ich brauche einen Spaten, vielleicht eine Spitzhacke, [strike]Grubenlampe, Bewetterungsschacht, Förderkorb, Förderturm, und am besten eine ganze Armee Bergleute.[/strike] Und eine Leiter.

Er lief den Gang zum weißerauchnichtmehrwievielten Mal zurück, hangelte sich wieder nach oben und suchte im Lagerhaus das nötige Material zusammen. Eine Spitzhacke fand er auch, die aber nicht mehr sonderlich vertrauenerweckend aussah. Mit einer Leiter verschaffte er sich nun einen einfacheren Weg vom oben in den Brunnenschacht.

Wollen wir mal sehen…

murmelte Lucius, als er wieder vor der Wand stand. Mit der Spitzhacke versuchte er, das Loch zu vergrößern. Behutsam und Stückchen für Stückchen, damit es nicht zu einem Tagesbruch kam.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Fr 5. Aug 2011, 14:13 
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Je weiter er das Loch vergrößerte, desto mehr Wasser lief heraus. Anfangs tröpfelte es weiterhin, doch als der Durchlass etwa Handtellergröße erreicht hatte, floss ein stetiges Rinnsall heraus.
Weiterhin ganz behutsam trug Lucius Stück für Stück Erde ab, immer in der Sorge, zu viel Wasser auf einmal könnte herausströmen und den ganzen Brunnen füllen. Er wusste ja nicht, wie viel es dahinter gab.

...

Eine knappe halbe Stunde später. Mittlerweile konnte der Uhrmacher bequem durch das Loch hindurchschauen und auch die Fackel zur Hilfe nehmen, um etwas sehen zu können.
So, wie es aussah, staute sich eine gewisse Menge Wasser, eingelagert zwischen der Wand, die er gerade durchbrach, und einer weiteren, vielleicht fünf Schritte entfernt. Also gar nicht so viel, dass es ihm gefährlich werden konnte.
Derart erleichert, hackte er nun schneller und kräftiger. Wenn es in diesem Brunnen doch etwas gab, dann lag es hinter der nächsten Wand, da war sich Lucius sicher.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Mo 8. Aug 2011, 15:57 
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Die Wand war zum Großteil abgetragen, und das Wasser halbwegs kontrolliert abgelaufen. Es füllte den Brunnenschacht auf seiner gesamten Länge etwa knöchelhoch, was Lucius dazu veranlasst hatte, noch einmal nach oben zu klettern und sich Stiefel anzuziehen.
Nun stieg er über die Reste der Zwischenmauer, die Fackel in der rechten, und ging auf die nächste Wand zu.


Na also!

Das hier war doch ein richtiger Brunnen. Denn hier war sie, die Tür! Aus Stein, sodass sie nicht hatte vermodern können hinter all dem Wasser, aber glitschig war sie, und Grünspan hatte sich hier und da abgesetzt.
Eine Klinke besaß sie nicht, und so trat Lucius einmal gegen die Tür.
Nichts tat sich.
Dann versuchte er, mit dem Spaten in den Spalt zwischen Tür und Wand zu haken. Begleitet von einem Knirschen im Hintergrund schwang sie sodann auch auf - natürlich in Lucius' Richtung.


Ah, das Übliche. Merke: Alte, verborgene Türen gehen immer in die andere Richtung auf, als du denkst.

Jenseits der Tür war es erwartungsgemäß dunkel, und vollkommen frei von Wasser - von dem bisschen abgesehen, dass nun durch den Durchgang lief.

Dann wollen wir mal...

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Di 16. Aug 2011, 16:04 
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Das Licht der Fackel warf flackernde Schatten auf die uneben aus der Erde gehauene Wand, welche in unregelmäßigen Abständen von Stützpfeilen gesäumt wurde. Diese waren nicht selten morsch, und überhaupt wirkte der Gang nicht gerade vertrauenerweckend. Lucius war ihm noch nicht weit gefolgt, hatte aber schon zweimal abbiegen müssen.
Auf einen Nebengang gleich hinter der Eingangstür war er ebenfalls gestoßen, der aber an einer verschlossenen Röhre endete. Vermutlich versperrte diese Röhre den Weg des Wassers in den Brunnenschacht.

Lucius sah sich immer wieder um, aber es gab hier nichts aufregendes. Nur immer wieder die gleichen Wände und Stützpfeiler, dazu einiges an Dreck. Eine halb verrostete Schaufel ohne Griff hatte er gefunden, aber nicht mitgenommen, schließlich war das hier kein Adventure, in dem man am besten alles mitnimmt, was einem im Wege herumliegt.
Hätte er nicht seine Uhr dabei, auf die er ab und an einen Blick werfen konnte, Lucius hätte wohl jedes Zeitgefühl verloren.

Erst nach einer gefühlten Ewigkeit - in Wahrheit war es eine halbe Stunde - endete der Gang, dafür aber sehr abrupt. Irgendwann gab es einfach eine Wand mit offenem Durchgang, hinter welchem sich das dämmrige Licht verlor. Lucius trat hindurch, und soweit das Auge mit Hilfe der Fackel sehen konnte, gab es nur Leere.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Di 16. Aug 2011, 16:36 
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Eine ausladende Halle eröffnete sich Lucius, mit Boden und Wänden aus düsterem Stein, die hohe Decke getragen von wuchtigen Säulen, wie sie auch aus römischer Antike hätten stammen können. Links und rechts standen sich immer zwei Säulen gegenüber, bildeten drei Gänge links, rechts und in der Mitte. Über die gesamte Länge der Halle gab es insgesamt zwölf solcher Säulenpaare, und an jedem zweiten war eine Halterung mitsamt Fackel angebracht.

Während der Uhrmacher den Mittelgang entlang trat, entzündete er die Fackeln. Schon bald wurde die unterirdische Halle von einem gleichmäßigen, wenn auch unruhigen Licht ausgefüllt, dazu das leise Knistern des Feuers und der Schall der Schritte.

Hier gab es nichts. Keinerlei Möbel füllten den Raum, keine wertvollen Teppiche hingen an den Wänden, und nirgendwo gab es eine Schatztruhe, wie man es vielleicht hätte erwarten können. Nur ganz am Ende in der Mitte der Halle, dort stand ein Lesepult mit einem Buch darauf, einer zusammengerollten Karte und einer kleinen Statue. Es wirkte verloren, geradezu lächerlich winzig in diesem riesigen Gewölbe.


Ob das das endgültige Ziel meiner Suche ist?

flüsterte Lucius zu sich selbst, und schallte es von den Wänden zurück.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Mi 17. Aug 2011, 07:25 
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Da lag es vor ihm: das letzte Tagebuch, welches Lucius' Urahn geschrieben hat. Das Buch, in dem endlich die offenen Fragen geklärt werden sollten.
Beispielsweise der Name seines Vorfahren.
Mit aller gebotenen Vorsicht schlug der Uhrmacher es noch auf dem Lesepult auf, schlug Seite um Seite um, starrte auf die Buchstaben, im dämmrigen Licht der umgebenden Fackeln, völlig gedankenverloren. Die Ereignisse der letzten Woche gingen ihm noch einmal durch den Kopf.

Mit diesem einen Buch in York hatte alles angefangen. Dieses noch von seinem Vater zuletzt beschriebene Exemplar hatte Lucius auf die Spur geführt. Erst die Città Nuova, dann Porto Vecchio, zurück nach Palatina, San Paolo. Danach folgte die Altstadt, die er jedoch hatte überspringen können, da Malcolm im Besitz eines der Tagebücher war, und ihm dies überreicht hatte.
Ja, Malcolm. Der war überhaupt nicht erfreut, beinahe schon erzürnt über Lucius' Vorhaben. Auch seine eigene Frau hatte sich mehrmals beschwert, auch wenn es ihr zuletzt recht gleichgültig erschienen war.
Wohl nicht zuletzt dank der Idylle und Lage dieses Gutshauses.

All das hatte Lucius letzten Endes nur wegen dieses einen Buches auf sich genommen, das jetzt vor ihm lag. Nur um zu erfahren, wer dieser mysteriöse Urahn war und was er angestellt hatte.

Gut, was hieß "nur". Es war sicherlich nie verkehrt, die eigene Geschichte zu kennen, auch wenn Malcolm das anders sah. Jetzt, da er so weit war, konnte Lucius nur den Kopf schütteln. Seit Generationen hatten die McAllen immer nur weitergereicht, dass etwas Schlimmes passiert ist, was man besser im Dunkeln lässt. Ryan schien nicht mehr zu wissen als das, weil Malcolm ihm nie mehr erzählt hatte. Vielleicht wusste auch der alte Mann nicht mehr, weil er nie mehr erzählt bekommen hat. Bewusste Vorenthaltung von Fakten vielleicht, von einem McAllen aus langer Vorzeit, um mit Absicht eine subjektive negative Einstellung hervorzurufen?

Eines war Lucius klar, nämlich, dass er es anders machen wollte. Er dürfte bald ein Kind bekommen, und gleich ob Sohn oder Tochter, sobald es als genug sei würde, wollte Lucius ihm alles erzählen können. Damit sich das Kind selbst eine Meinung bilden und unvoreingenommen mit der Familiengeschichte umgehen konnte.

Ach ja, gute Vorsätze. Nicht selten machte man sich gute Vorsätze, nur um sie dann später doch nicht zu halten - oder nicht halten zu können.
Oder musste dieser Vorsatz nicht vielleicht sogar nur als Begründung herhalten für die Suche, die Lucius auf sich genommen hatte? Dafür, dass er sich irgendwie mit Malcolm gestritten hatte? Möglicherweise würde ihn ja später jemand fragen, vielleicht Petrus am Himmelstor, warum er sich in Zwietracht von Malcolm getrennt und diesen nicht beseitigt hatte, bevor er gestorben war. Und was sollte Lucius dann antworten?
Es war zumindest möglich, dass die Geschichte, er wolle seinem Nachfolger alles erzählen können, letztendlich nur ein Vorwand war; wenn auch ein guter.

All diese Gedanken schossen Lucius durch den Kopf, während er so durch das Tagebuch blätterte. Keinen Satz daraus hatte er gelesen oder ihn nach dem Lesen sofort wieder vergessen. Stattdessen nur Grübeleien.
Als er jedoch am Ende des Buches angekommen war, klappte er es vernehmlich zu, dass der Schlag von den Wänden widerhallte, steckte die Statue in eine Tasche, klemmte sich die zusammengerollte Karte unter einen Arm, nahm das Tagebuch in die eine und seine Fackel in die andere Hand und verließ die Halle sowie den Brunnen mit eiligem Schritt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Mi 17. Aug 2011, 07:27 
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Jetzt hängst du schon wieder den halben Tag über diesem Buch. Mit anklagendem Tonfall drang die Giselles Stimme von der Tür des Arbeitszimmers zu Lucius, der drinnen am Schreibtisch saß.
Er blickte kurz auf, sah dann an sich herab. Und tatsächlich saß er, den Kopf auf beide Hände gestützt, mit gebeugtem Rücken dort, starrte auf das Tagebuch, welches er am Vortag unten in der Halle gefunden hatte.


Draußen ist so ein schönes Wetter, die Sonne scheint, ein Lüftchen weht vom Meer her, die Blumen leuchten in ihren prächtigsten Farben, und du hockst hier drinnen und hast mal wieder keinen Sinn für etwas anderes als dieses verfluchte Tagebuch.

Als der Uhrmacher den Kopf wandte, konnte er gerade noch sehen, wie Giselle wieder ging, die Treppe herab, mit einem Tablett in der Hand. Darauf auf jeden Fall frisches Brot und eine Flasche Wein, mit Sicherheit auch noch andere Köstlichkeiten.

Falls du es dir doch noch anders überlegst, ich sitze unten am Teich. rief sie zu ihm herauf. Dann hörte Lucius nur noch die Haustür zuschlagen, danach war Stille.
Mit einem Schnauben, das irgendwo zwischen Wut und Resignation angesiedelt war, schlug er das Tagebuch ungewohnt grob zu, erhob sich dann von seinem Stuhl. Kurz fuhr er sich mit der Rechten über den Rücken, während er ans Fenster trat und hinaussah. Seine Frau überquerte gerade den Rasen, bis sie unter dem Dach verschwand, das die Sitzecke neben dem Teich abdeckte.

Er verließ das Arbeitszimmer, ließ die Tür vernehmbar zufallen, und stieg dann ebenfalls die Treppen hinab bis in die Eingangshalle. Dort trat er durch die Haustür, welche er schon sanfter schloss, und folgte dann in etwa dem Weg, den Giselle zuvor genommen hatte. Sie stand direkt neben dem Wasserlauf, welcher den Teich mit Meerwasser speiste, und starrte über die Grundstücksmauer hinweg auf die See.
Mit keiner Regung ließ sie erkennen, ob sie Lucius' Ankunft bemerkt hatte, zuckte auch nicht einmal mit der Wimper, als er neben sie trat und mit dem Zeigefinger hinten über ihren Hals fuhr.
Davon dich ein wenig verunsichert trat Lucius einen Schritt zur Seite, sah sie aber weiterhin an.


Was genau ist denn eigentlich los, hm?

Seufzend drehte Giselle sich zu ihm, warf ihm einen ernsten, leicht verärgerten Blick zu, bevor sie wieder aufs Meer hinaus sah und zu einer Antwort ansetzte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Mi 17. Aug 2011, 16:37 
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Dass du das überhaupt fragst... Ein knappes Kopfschütteln, dann begann Giselle.

Wenn ich auf die letzte Woche zurückblicke, gibt es da einige Dinge, die mir unangenehm aufstoßen. Ich habe ja grundsätzlich nichts dagegen, dass du nach deiner Familiengeschichte suchst, die ja offensichtlich niemand kennt. Bloß widmest du dieser Suche eine Aufmerksamkeit und Konzentration, wie du sie sonst nie in etwas steckst. Alles um dich herum scheinst du zu vergessen. Zuerst verschwindest du spätabends nach draußen, mit dem Hinweis, du seihst bald zurück. Dann folgt kein Lebenszeichen von dir, bis du drei Tage später wieder auftauchst, mit der knappen Anmerkung "Ich war mal eben in Porto Vecchio". Kurz darauf machst du den Laden vorläufig dicht und beschließt, wegzufahren. Einfach so. Kaum, dass wir hier sind, und ich den Markt in der Stadt besuche, buddelst du unter dem Brunnen herum, und ich finde wieder kein Anzeichen von dir. Wo steckt er diesmal? Vielleicht in Borghetto? Am nächsten Morgen sehen wir uns auch wieder nur kurz, weil du dich kurz darauf in dein Arbeitszimmer verkriechst und wieder nur dieses Buch im Kopf hast. Als sei das alles so eilig und könne keinerlei Aufschub dulden.

Lucius ließ sich Zeit mit seiner Antwort. Er dachte ebenfalls eine Weile nach. Giselle hatte genau das gesagt, worüber er schon unten in der Halle gegrübelt hatte. Und er kam zu dem Schluss, dass es auch nicht als Ausrede taugte, zu sagen, er hätte das für das Kind gemacht, um diesem etwas vermitteln zu können. Bis das Kind alt genug war, um zu verstehen, dürften noch Jahre vergehen. Genug Zeit also, diese Suche zu beenden. Warum alles auf einmal? Wohl nur aus einem Grund: Er wollte. Lucius wollte das alles wissen, und zwar jetzt sofort. Aus diesem egoistischen, rein eigennützigen Grund kniete er sich derart verbissen in die Suche, ließ seinen Haushalt in Unkenntnis und Sorge um seinen Verbleib zurück, verkrachte sich mit dem Vater seines Cousins und so fort.
Und wie erzählte er das jetzt Giselle?


Du hast Recht. begann er ganz simpel. Mit jedem Wort. Allerdings dachte ich...

Eine Stimme von gar nicht so weit weg unterbrach ihn. Jemand schien aufgeregt ein Selbstgespräch zu führen.

Mein Gott, das hier ist eine Spezies, die ich nie zuvor gesehen habe! Etwas höchst exotisches! Auf den ersten Blick ähnlich dem Gemeinen Steppenhermelin, aber wenn man genauer hinschaut...

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Mi 17. Aug 2011, 18:24 
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Warte kurz… merkte Lucius Giselle gegenüber an, rief dann in Richtung der fremden Stimme

Entschuldigung?!

Es schien, als befinde sich da jemand in dem Blumenbeet an der Mauer gegenüber des Lagerhauses. Während Lucius dorthin ging, erkundigte er sich ins Nichts

Kann man helfen?

Unter Umständen schon.

Ja, kein Zweifel, da hockte jemand inmitten der Blumen, gab sich nicht zu erkennen, und führte Selbstgespräche.

Möglicherweise eine bisher unbekannte Unterart...

Ich muss doch sehr bitten. meldete sich der Uhrmacher wieder. Hättet Ihr wohl die Güte, da herauszukommen?

Sicher, sofort. Eine Sekunde.

Ein Mann wuselte sich an den Ästen und Blüten vorbei, ging dabei sehr vorsichtig mit den Pflanzen um, schien sie beinahe zu streicheln. Er war offenbar schon in den Mittfünfzigern, mindestens, und trug das ergraute Haar ungekämmt.Ein buschiger Schnäuzer schaute unter der knallroten Nasenspitze hervor. Das irrsinnigste war aber die riesige runde Brille, durch die es so aussah, als würde der Mann schielen - vielleicht tat er dies auch tatsächlich.
Nun rupfte er sich die hängengebliebenen Zweige aus den Haaren, klopfte den gröbsten Staub aus seiner Kleidung.


Ich darf mich vorstellen: Carlo Darvinus, meines Zeichens Naturforscher und Pflanzenkundler.

Er reichte Lucius die Hand, ließ ihm aber gar keine Gelegenheit, sich ebenfalls vorzustellen.

Wusstet Ihr, dass Ihr eine sehr seltene Pflanze in Eurem Garten beherbergt?

Was, zum Geier, macht Ihr überhaupt hier?

Darvinus ging gar nicht näher darauf ein. Seht Ihr diese Pflanze? Sie offenbart dem geübten Auge sofort ihre Seltenheit und ihren Wert.

Lucius deutete auf die Mauer, die das Gutshaus umgab. Seht Ihr diese Mauer? Sie offenbart selbst dem ungeübten Auge sofort ihre Botschaft: Ende im Gelände!

Das Tor war offen... zuckte Darvinus nur mit den Schultern.

Und Ihr nehmt das als Einladung, Euch ungefragt in fremde Gärten zu schleichen und Euch dort in die Büsche zu werfen? Wie kommt Ihr auf so eine Idee?

Ich konnte von dem Küstenweg aus erkennen, dass auf Eurem Grundstück Getreide und Kräuter wachsen, obwohl der Boden um Porto Vecchio doch als unfruchtbar gilt. Daher kam ich näher, um dies zu untersuchen.

Sehr schön. Und das nächste Mal fragt Ihr vorher nach. Ich hätte es Euch bestimmt nicht verwehrt, aber so...

Lucius deutete mit dem Zeigefinger in Richtung Tor.

Wenn Ihr hier wirklich weiter studieren wollt, dann kommt morgen wieder und klopft vorher an, ja.

Selbstverständlich. Ciao, Signore! Mit einer Selbstverständlichkeit, als sei er hier zu Hause und könne jederzeit alles und jeden rund um das Meerhuus untersuchen, bewegte sich Carlo Darvinus auf das Tor zu, wo er das Grundstück verließ.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Fr 26. Aug 2011, 09:09 
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Im Gegensatz zu den Tagebüchern, denen Giselle nichts abgewinnen konnte, die sie ja sogar verärgerten, fand sie sofort Gefallen an der kleinen Statue, die Lucius aus der unterirdischen Halle mitgebracht hatte.

Ach Gott, ist die niedlich. Kaum größer als eine ausgestreckte Hand. Aber sag mal - fehlt da etwas? erkundigte sie sich, wobei sie auf die ausgestreckte, aber leere rechte Hand der Figur deutete.

Ja, und zwar dieses Teil hier. bestätigte Lucius. Dabei kramte er den Hirtenstab hervor, der ihm heruntergefallen war, als er die Statue an sich genommen hatte.
So, wie ich das sehe, war der Stab aber nie befestigt, sondern befand sich immer schon locker in der Handfläche.

Hm... Eine Hirtin?

Ich vermute, dass es sich hierbei um die Thalia handelt, die einzige der neun Musen, die hier im Haus nicht zu finden war. Eines ihrer Symbole ist der Krummstab.

Was hast du da noch?

Lucius legte nun auch die anderen Objekte auf den Esstisch im Wohnzimmer, an dem sie saßen. Ohne das Tagebuch natürlich.

Ein Lampengehäuse ohne Kerze drin und eine alte Karte.

Innerlich war der Uhrmacher ganz froh, dass Giselle diese Sachen nicht mit seiner Suche in Verbindung brachte. Das würde sie aber sicherlich noch tun, denn scheinbar war er noch nicht ganz am Ende: Entgegen der Aussage im vorherigen Tagebuch hatte Lucius' Ahn sich scheinbar kurzfristig umentschieden und doch noch ein weiteres geschrieben, weshalb dies Exemplar von unter dem Meerhuus keine neuen Informationen beinhaltete bis auf weitere Details zur Entstehung des Gutshauses.

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BeitragVerfasst: Fr 26. Aug 2011, 16:51 
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Die folgenden Inhalte wurden von dem üblichen Autor mit Nickname "Lucius Horologius" verfasst, fußen allerdings nicht auf dessen Fantasie oder Gedankengängen.
Für Wertobjekte kultureller oder künstlerischer Art kann daher von Seiten des Autors keine Haftung übernommen werden. Auch Schäden an Leib und Leben, vor allem von Kunstliebhabern, die ob des Textes dieses Beitrags einen Kreislauszusammenbruch erleiden, sind von jeglicher Haftung ausgenommen.
Eltern haften für ihre Kinder. Hunde müssen angeleint draußen bleiben.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, stand Lucius auf, stellte die Statue der Thalia auf den Boden und sich dann neben Giselles Stuhl.

Was hast du vor? fragte seine Frau verdutzt, als sie die Statue dort unten sah.

Komm her!

Mit einem Lächeln im Gesicht forderte Lucius sie auf, aufzustehen. Er nahm sie in den Arm, ging mit ihr etwas weiter in den Raum hinein, schlang seine Arme um ihre Hüfte und hob sie dann um etwa die Höhe einer ausgestreckten Hand an.

Lucius?!

Mit einem Fuß über der Statue stellte er sie wieder ab. Dann wartete er ab, was passierte.
Er erntete einen vollkommen verdatterten Blick von Giselle, die von der Statue herunterging.


Was sollte das denn?
Ich weiß nicht. Irgendwie sagte mir eine innere Stimme, ich solle versuchen, dich mit der Statue zu benutzen.

Giselle drehte sich in Richtung Leser.

Findest du nicht auch, dass Lucius jetzt vollkommen verrückt und der ganze Post hier niveaulos geworden ist?

Dann nahm sie die Statue in die Hand, ging damit in die Küche.

Du hast keine Ahnung, wie man mit solchen Kunstschätzen umgeht. Nicht einmal sauber gemacht hast du die Thalia!

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BeitragVerfasst: Sa 27. Aug 2011, 09:16 
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Aber... Aber ich...
Lucius schüttelte mit dem Kopf, nachdem er Giselle hinterher gesehen hatte.
Er ging nun zum Esstisch zurück, band den Faden auf, der die alte Karte zusammenhielt, und rollte diese aus.


Mal sehen... Datiert auf das Jahre 1352 zeigt diese Karte den Küstenverlauf von Porto Vecchio und Formosa.

Er zog die anderen Dinge heran. Zunächst nahm er den Krummstab in die Hand, drehte ihn mehrmals, fuhr mit dem Finger an allen Seiten entlang.

Ein typischer Krummstab, die ihn Hirten oder Bischöfe besitzen. Hm... Das Ende der langen geraden Seite ist dreieckig...

Von der Lampe ließ er schnell wieder ab. Es handelte sich bloß um ein leeres, metallenes Gehäuse ohne Kerzen darin.
Er nahm alle drei Sachen mit, ging mit der Karte besonders vorsichtig um, und ging zur Tür in die Eingangshalle.


Eine schlichte, doppelflügelige Tür aus Holz.

Da er die Hände voll hatte, stieß er sie mit dem Fuß auf.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: Sa 27. Aug 2011, 11:43 
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Ach ja...

Mit einem erleichterten Brummeln lehnte sich Lucius mit verschränkten Armen auf das Geländer des Balkons im obersten Stockwerk. Er ließ den Blick schweifen über die weitläufige Aussicht, die man von hier genießen konnte. Über die Mauer des Gutshauses, die Felder, die Grundstücksmauer hinaus bis zur Küstenstraße, wo bei diesem Wetter nur selten einmal Menschen vorbeikamen.
Hier oben hingegen war es angenehm. Lucius schloss die Augen, ließ sich die Brise um die Nase wehen, die vom Meer her kam, und nahm einige tiefe Atemzüge der leicht salzigen Luft. Für einige Minuten rührte er sich nicht, genoss einfach das hiesige Klima.

Schließlich stieß er sich von dem Geländer ab.


Was macht Giselle eigentlich so lange mit der Statue? Es kann doch keine zehn Minuten dauern, die zu putzen...

Schulterzuckend verließ er die Terrasse wieder, machte sich stattdessen auf den Weg in die Bibliothek.
Hier war es eher dämmrig, weil durch die zahlreichen Regale kaum mehr Platz blieb für Fenster. Das einzige Licht drang nur von den Fenstern der tiefer gelegenen Halle und einigen Lampen her.
Die Bücherregale waren allesamt aus dunklem Holz, manche Fächer mit kleinen abschließbaren Türen, und fast alle waren gefüllt bis zum Stehkragen.


Viel maritime Literatur... murmelte Lucius, als er einige der Fächer öffnete und hineinsah. Dann wandte er sich dem Tischchen zu, dass in der Mitte des Raumes stand und an drei Seiten von Sesseln umgeben war. Darauf stand eine Lampe mit Kerze darin, ein Schälchen Kienspäne lag daneben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: So 28. Aug 2011, 07:41 
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Wieder auf der Terrasse schaute sich Lucius den Wäscheständer genauer an. Es gab zwei Stützen aus Holz, die höhenverstellbar waren, unten Rollen zum Bewegen besaßen und zwischen denen eine stabile Leine befestigt war.
Um zu probieren, ob die Rollen ihre Arbeit auch erledigten, schob Lucius den Wäscheständer eine Armlänge nach vorne und zog ihn dann wieder zurück.


Geht. Ähm... Rollt.

Er kramte die alte Karte und den Hirtenstab hervor und befestigte beide an der Leine.

Hm... Eigentlich ist das Schwachsinn. Die Sachen sind schon so staubtrocken, dir muss ich nicht mehr aufhängen.
Einen Augenblick später hatte er beides wieder abgenommen. Den Krummstab verstaute er in einer Tasche - und den Wäscheständer ebenfalls!*

So bepackt machte er sich auf den Weg in die Bibliothek. Dort holte er den Ständer wieder hervor, stellte ihn ab und sich selbst vor eines der Bücherregale.
Das niedrigste, das er finden konnte, zog er näher an den Wäscheständer, drehte diesen dann so hoch wie möglich und befestigte das Regal an der Leine.


*Krawumms* *Krach* *Splitter* *Rumpel*

Ouhauerha...

Begleitet von lautem Getöse landete das Regal wieder auf dem Boden, der Stützfuß brach ab, einige Bücher flogen heraus und Macken blieben im Parkett zurück. Die Leine des Wäscheständers war gerissen, und der linke stützende Holzstab in der Mitte gebrochen. Am rechten hatten sich die Räder derart fest in den Stab gebohrt, dass sie nicht mehr zu bewegen waren.

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*Jedes bessere Adventure ist so unrealistisch. Ein Adventure, dass etwas auf sich hält, muss es dem Protagonisten ermöglichen, einen mit einer Banane hypnotisierten, bewegungsunfähigen Affen in der Innentasche seiner Jacke oder eine komplette Leiter in seinem Zauberhut zu verstauen.
Und da das hier ja schon beinahe zu einem Text-Adventure ausgeartet ist, sollte es für Lucius kein Problem sein, den Wäscheständer mitzunehmen. Das ist schließlich kein 08/15-Spiel hier.

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 Betreff des Beitrags: Re: Datt Meerhuus
BeitragVerfasst: So 28. Aug 2011, 10:30 
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Ich fürchte, dieser Wäscheständer wird keiner Kleidung mehr zum Trocknen verhelfen...

murmelte Lucius, als er sich die Bescherung genauer ansah. Kurzerhand sammelte er die Leine und die halb kaputten Stangen ein, "wer weiß, wozu man das mal gebrauchen kann".
Das Bücherregal schob er zurück an seinen Platz. Da jedoch ein Fuß abgebrochen war, kippelte es die ganze Zeit, und der Uhrmacher konnte die Bücher nur schwer wieder hineinstellen, ohne das weitere herausfielen.
zu guter Letzt sah er sich besorgt um, ob der Karte auf dem Tischchen etwas passiert war. Das war glücklicherweise nicht der Fall.

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